Museum des 20. Jahrhunderts, Berlin

Stadtlandschaft, fließender szenografischer Raum, Topografie als verbindendes Element, Kulturforum als Ensemble der Berliner Moderne

PROJEKTDATEN

MZB-01a
links: Hans Scharoun, Modell des Kulturforums, Blick von Norden, 1957
rechts: Alexandra Kehayoglou „Pastizal“ für Dries van Noten, 2014

In keiner anderen europäischen Stadt zeigte sich, so wie in Berlin – Aufbau und Zerstörung von baulicher Figur, Aufgabe des Raumes, Niemandsland und Stadtaneignung durch die Natur. Wo sonst, wenn nicht hier, könnte die von Hans Scharoun erdachte Stadtlandschaft weiterentwickelt werden?

 

MZB-03
Blick von der Philharmonie

Der Platz zwischen der Potsdamer Straße, Matthäikirche, Kulturforum und Kammermusiksaal (Philharmonie) bleibt ein Platz und wird doch zu einer lebendigen Landschaft. Anfangs reine Form [Ornament] wird er später in Teilen zur Wildnis und durch Regen und Sonne wieder auf die Form [Ornament] zurückgesetzt. Dieses Fließen aus der Form heraus und in die Form zurück stellt ein Sinnbild für die wechselvolle Geschichte dieses Teiles von Berlin dar, die im 20. Jahrhundert durch Bildung und Auflösung von Raum, Struktur und Gewissheiten geprägt war.

 

MZB-04
Schnittperspektive in Ost-West-Richtung

 

mzb-11-a
Jedoch wird das Museumsgebäude nicht vollständig unter der Oberfläche belassen. Vielmehr ist der Museumsraum durch seinen Besucherturm und die Lichthöfe mit dem Platz verbunden. Bäume, die in diesen mit Glas umkleideten Lichtgärten stehen, sind nur mit ihre Krone von der Straße aus zu sehen und zeigen dem Passanten merkwürdige, ungewohnte organische Wuchsformen. Das Museum ist ein Archiv und ein Ausstellungsort. Einem Schaulager ähnlich verbindet sich in seinen Innenräumen die räumliche und materielle Ästhetik von Depot und White Cube.

 

MZB-07a
Grundriss Platzebene / Museumsdach

Der neu hinzukommende Turm beinhaltet den Haupteingang des Museums und integriert das Besucherzentrum des Kulturforums. Als einziges vertikal wirksames Element des Museums, bildet er eine neue städtebauliche Akzentuierung. Durch seine Platzierung nahe der Potsdamer Straße, entsteht sowohl ein räumlicher Dialog mit dem Ensemble von Neuer Nationalgalerie, Kammermusiksaal, St.-Matthäus-Kirche und Gemäldegalerie, wie auch mit der gegenüber liegenden Staatsbibliothek.

 

MZB-09
Detail Flachrelief

Das Dach des Museums hat eingesenkte Schalen unterschiedlicher Bodentiefe, auf denen sich die Flora und Fauna der Umgebung einnisten kann. Zwischen den Schalen ist das Betondach flach und es entstehen Wegräume, die Skulpturen und kreisförmige Sitzgelegenheiten aufnehmen.

 

MZB-06
Vegetationsprinzip

Im Laufe der Zeit wächst die Vegetation aus den Schalen heraus über die Dachfläche und vereint sich mit den Pflanzen, die aus der nächsten Schale herauswachsen. So bekommt die technische Gebäudestruktur die Aura der Kolonisation durch die Natur und es entstehen größere Bereiche, die temporär von Natur besetzt und unzugänglich erscheinen, bis sie bei trockenem Sommer oder durch Pflegeeingriffe wieder auf die geometrischen Umrisse der Schalen zurückgesetzt werden. Bezug genommen wird dabei auf die Scharounsche Idee von „Landschaftlichkeit“, die sich der Geometrie entgegenstellt und eine Metapher von Utopie und Freiheit ist.

 

MZB-08
Diversifikation der Pflanzen über die Zeit

Die Pflanzen bilden Habitate für Tierarten der innerstädtischen Biotope, wie Zikaden, Heuschrecken und Vögel. Vielleicht wechseln auch Waschbär, Wiesel und Fuchs aus dem benachbarten Tiergarten in die Vegetationsinseln. Während die Dynamik der Vegetationsentwicklung auf den flachgründigen Böden sehr langsam ist, wird sie auf den tiefgründigen Böden schneller sein und zu raschem Wechsel in dem Vegetationsmustern führen. Sehr trockene Sommer werden die Vegetationsentwicklung immer wieder zurücksetzen und danach erneut entfalten.

 

MZB-05
Schnitt in Ost-West-Richtung

 

mzb-12

Im Stadtensemble bleiben Nationalgalerie und Philharmonie die dominanten Repräsentanten der Baukunst des 20. Jahrhunderts. Das Museum wird unter den entstehenden Freiraum gebaut und bildet mit dem ebenfalls unter der Erde liegenden Untergeschoss der Neuen Nationalgalerie eine funktionale Einheit. Es arbeitet als Vernetzer. Neben seiner integrativen Aufgaben auf der Platzebene, bietet er unter der Piazzetta des Kulturforums Verbindungen zu den anderen Museen an.

 

MZB-10

 

mzb-13
Innenansicht des Eingangsturms

 

MZB-14
Blick von der Platzebene nach Süden

 


ProgrammMuseum, bestehend aus zwei Gebäuden: der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe und
dem neu zu entwickelnden Bau
StatusIdeenwettbewerb
OrtKulturforum Berlin
AuftraggeberStiftung Preussischer Kulturbesitz, Berlin
FlächeBGF 27.500 m2
TeamImke Woelk und Partner Architekten, Prof. Martin Prominski, Landschaftsarchitektur, Hannover,
Prof. Michael Kleyer, Landschaftsökologie, Oldenburg
LeistungenProgramm- und Standortanalyse, Strategische Entwicklung, künstlerisches Konzept, technisches Konzept,
Entwurfsplanung, Visualisierung
Datum2015/16

NACH OBEN ↑